Scheitern gilt in vielen Organisationen noch immer als Makel. Als etwas, das man vermeiden, überdecken oder möglichst schnell vergessen sollte. „Erfolgsstrategie GESCHEITERT“ stellt diese Sicht radikal infrage und zeigt, warum genau darin das größte Entwicklungspotenzial für Führungskräfte liegt.
Das Buch, herausgegeben von unseren Crestcom-Kollegen Carsten Greb und Dirk Langenströher, erzählt keine linearen Erfolgsgeschichten. Es erzählt von Momenten, in denen Führung nicht funktioniert hat. Von Entscheidungen, die gut gemeint waren und trotzdem Schaden angerichtet haben. Von Situationen, in denen Menschen überzeugt waren, „alles richtig zu machen“, und erst im Rückblick erkannten, was sie übersehen hatten. Als Teil des Autorenteams durften auch Karsten und ich unsere Storys über das Scheitern beitragen.
Scheitern als Erkenntnisprozess
Im Zentrum des Buches steht eine klare Überzeugung: Scheitern ist kein Endpunkt, sondern der Einstieg in einen Lern- und Reifeprozess. Dabei ist nicht jedes Scheitern spektakulär. Oft zeigt es sich leise:
- ein Team, das nicht mehr mitzieht
- ein Meeting, in dem alle nicken, aber niemand handelt
- eine Veränderung, die logisch erscheint, aber emotional nicht ankommt
Diese Momente sind keine Betriebsunfälle. Sie sind Hinweise darauf, dass etwas im eigenen Führungsverständnis, in der Kommunikation oder in der Beziehungsgestaltung nicht stimmig ist.
Erkennen – Verstehen – Verändern
Das gesamte Buch folgt einem klaren inneren Prozess, der sich in drei Schritten entfaltet und als starkes Werkzeug für die eigene Weiterentwicklung dient:
- Erkennen
Der Moment, in dem etwas „klemmt“. Irritationen, Widerstände oder innere Zweifel werden nicht wegerklärt, sondern ernst genommen. Erkennen heißt: stehen bleiben, hinsehen und nicht sofort in Aktionismus verfallen.
- Verstehen
In dieser Phase richtet sich der Blick nach innen. Welche Rolle habe ich selbst gespielt? Welche Annahmen, Prägungen oder blinden Flecken haben mein Handeln beeinflusst? Verstehen bedeutet nicht Rechtfertigung, sondern ehrliche Selbstreflexion.
- Verändern
Erkenntnis allein reicht nicht. Veränderung beginnt dort, wo Führungskräfte bereit sind, Haltung neu zu leben – sichtbar, spürbar und manchmal unbequem. Nicht perfekt, nicht risikofrei, aber konsequent.
Führung beginnt im Spiegel
„Erfolgsstrategie GESCHEITERT“ macht deutlich: Gute Führung entsteht nicht durch mehr Tools, mehr Kontrolle oder bessere Argumente. Sie entsteht durch innere Klarheit, durch Beziehungskompetenz und durch die Fähigkeit, den eigenen Anteil am Geschehen anzuerkennen.
Das Buch richtet sich an Menschen, die führen, die Verantwortung tragen und die spüren, dass klassische Erfolgsrezepte heute nicht mehr ausreichen. Es ist kein Lehrbuch, sondern ein Begleiter, der auch unbequeme Fragen stellt.
In Zeiten von Unsicherheit, Veränderungsdruck und wachsender Komplexität zeigt sich Führung nicht in perfekten Antworten, sondern im Umgang mit Zweifel, Fehlern und Widerstand. „Erfolgsstrategie GESCHEITERT“ erinnert daran, dass Entwicklung nicht dort entsteht, wo alles glatt läuft, sondern dort, wo Menschen bereit sind, ehrlich hinzusehen und daraus zu handeln. Scheitern ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, dass jemand wirklich führt.

